„Nun sag, wie hast du’s mit dem Home Office?“ – Die Gretchenfrage für Führungskräfte in der neuen Normalität

TME Blogbeitrag Gretchenfrage mit dem Home Office
(c)istock/SIphotography

Beitrag teilen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email

Wie wir in die Büros zurückkehrten

„Dienstags bis donnerstags ist mein Chef im Büro. Da kann ich nicht zu Hause bleiben!“ – so oder so ähnlich mehrten sich die Aussagen und Gedankengänge vieler Mitarbeitender in den Sommermonaten. Der vorübergehende Rückgang der Coronafälle hatte auch zur vermehrten Rückkehr vom Home Office ins Büro geführt.

Besonders spannend war hierbei zu beobachten, wie die offizielle Company Policy und das Verhalten der Führungskräfte voneinander abwichen. In den meisten Unternehmen galt nämlich offiziell noch mindestens bis Ende des Jahres vorwiegend Home Office. Der erneute Anstieg der Covid-Fälle bekräftigt diese Regelungen nun erneut.

Und dennoch konnten wir in den vergangenen Monaten beobachten, wie zunächst das Top Management in die Büros zurückkehrte. Gefolgt von der Führungsebene darunter. Und der darunter. Und der darunter. Bis hin zu den Mitarbeitenden.

Jede Hierarchieebene sah sich aufs Neue mit der Frage konfrontiert: „Nun sag, wie hast du’s mit dem Home Office?“. In vielen Fällen tatsächlich eine Gretchenfrage. Denn waren die Vorgesetzten erstmal zurück im Büro, beäugten sie diejenigen, die sich für den heimischen Arbeitsplatz entschieden hatten, oft kritisch. Schließlich hatten sie nun vermeintlich den direkten Vergleich: Die Mitarbeitenden, die sie physisch vor sich sahen, und diejenigen, die ihnen maximal über die Bildschirmkamera entgegenblickten.

Darüber hinaus entstand wieder wertvoller Flurfunk und informeller Austausch im Büro. Dieser kam bei den Daheimgebliebenen allerdings gar nicht mehr an. Kommunikationswege wurden zunehmend wieder präsenzgetrieben und im Home Office fühlte man sich mehr und mehr ausgeschlossen.

Und so nahm der Verkehr auf unseren Autobahnen wieder zu, die Betriebskosten in den Bürogebäuden stiegen wieder – genauso wie der Frust über die tägliche Pendelei.

Dabei waren wir uns zu Beginn der Pandemie doch noch alle einig gewesen: Es wird keinen Weg zurückgeben. Die Zusammenarbeit wird sich durch die Pandemie langfristig verändern. Und dann das. Scheinbar schleichend kehrten wir mehr und mehr in unseren Alltag zurück.

Warum Führungskräfte bessere Vorbilder werden müssen

Covid-19 gibt sein Bestes, um diese Rückentwicklung aufzuhalten und uns Gewohnheitstiere noch ein bisschen aufzuwühlen. Aber was ist, wenn es bald einen Impfstoff gibt? Werden wir uns dann wieder alle wie gewohnt im Büro zusammenrotten, um nicht abgehängt zu werden? Vermutlich ja. Es sei denn, unsere Führungskräfte werden endlich Vorreiter der neuen Normalität. Es sei denn unsere Führungskräfte erkennen die Vorzüge für die Mitarbeitenden und die Gesamtorganisation, die die neue Normalität bietet. Es sei denn, unseren Führungskräften gelingt es endlich, das Ruder in die Hand zu nehmen und den Fortschritt zu steuern und zu gestalten.

Doch was ist zu beachten bei der gestalterischen und aktiven virtuellen bzw. hybriden Führung?

Seien Sie ein Vorbild für Ihre Mitarbeitenden, in diesen unsicheren Zeiten. Achten Sie dabei darauf, dass Sie allen Mitarbeitenden gleich viel Beachtung schenken – egal ob sie sich persönlich oder vermehrt virtuell begegnen, und stehen Sie dabei der Wahl des Arbeitsortes wertfrei gegenüber. Optionen müssen als wahre Optionen verstanden werden. Stellen Sie gleichzeitig Kommunikation immer über alle Kanäle sicher und versuchen Sie die Bedürfnisse der Mitarbeitenden direkt und individuell zu adressieren.

Was die neue Normalität für den eigenen Führungsstil bedeutet

Analog zu diesen Handlungsmaßgaben verändern sich die Anforderungen an die Rolle der Führung. Artikel hierzu breiten sich derzeit exponentiell aus und entwickeln sich zunehmend zu Hotspots in den unterschiedlichen Business Netzwerken wie LinkedIn und Xing – Tendenz steigend. Die Liste der neu geforderten Kompetenzen wird dabei immer länger und scheint die kritische Grenze längst überschritten zu haben. Verordnete Fortbildungsmaßnahmen und Neudefinitionen der Führung zur Abgrenzung von alten Rollenbildern scheinen nur bedingt Wirkung zu zeigen.

Die traurige Bilanz nach der Abflachung der ersten Corona-Welle und der Rückkehr in die Büros – trotz altbekannter Problemstellungen hat sich seitens der Führung wenig verändert. Es lebe, was sich tapfer hält!

Hier und da wurden zwar Guidelines für das Home Office entwickelt und Führungskräften moderne Kollaborationssoftware an die Hand gegeben, um ihre Teams besser zu steuern und sich mit dem Team auszutauschen – das Mindset ist aber weitestgehend das alte geblieben. Was bleibt sind neben neuesten digitalen Lösungen Einstellungen in Bezug auf Führung, die nicht mehr zeitgemäß sind. Noch immer scheinen Führungskräfte mit den Gedanken infiziert zu sein, dass Kontrolle und Präsenzkultur nötig sind, um Ergebnisse zu produzieren und nur konkret vorgegebene Vorgehensweisen zum Ziel führen. Solange sich dieses Gedankengut in den Köpfen der Führungskräfte hält, wird es keine nachhaltige Veränderung hin zu moderner Führung geben. Es ist also ein Umdenken des Managements hinsichtlich des eigenen Führungsverhaltens und der persönlichen Einstellungen gefragt, denn Erquickung werden sie nicht gewinnen, wenn sie nicht aus der eigenen Seele quillt.

Starten Sie noch heute und hinterfragen Sie Ihren eigenen Führungsstil:

  • Vertrauen Sie Ihren Mitarbeitenden, jederzeit und egal wo ihre volle Leistung auszuschöpfen?
  • Gelingt es Ihnen alle Mitarbeitenden, unabhängig von deren Arbeitsort, gleichmäßig einzubinden?
  • Erkundigen Sie sich nach den Bedürfnissen Ihrer Mitarbeitenden und hören Sie aktiv zu – egal wo Sie oder Ihre Mitarbeitenden sich befinden?
  • Räumen Sie Hindernisse aus dem Weg, um optimale Arbeitsbedingungen zu gewährleisten?
  • Verschaffen Sie Ihren Mitarbeitenden Freiräume für Kreativität & Selbstverwirklichung?
  • Erlauben Sie Mitarbeitenden gesetzte Ziele mit selbst gewählten Methoden zu erreichen?
So bleibt am Ende nur eines zusammenfassend zu sagen: Sie können! So wollen Sie nur! – denn es liegt nun an Ihnen als Führungskraft das Momentum zu nutzen und einen wahren Führungsstilwechsel mit modernen Führungsprinzipien einzuläuten.

Autoren

Marco Leist-Director TME

Marco Leist

Marco ist Experte für Führungskräfteentwicklung und HR Transformation bei der TME. Er beschäftigt sich intensiv mit den Herausforderungen der Personalarbeit im Zuge der Digitalisierung und im Wandel.

leist@tme.ag

Katharina Thiel_Digital Leadership Expertin_Growth Ninjas

Katharina Thiel

Katharina ist Digital Leadership Expertin bei den Growth Ninjas in Wien. Sie ist spezialisiert auf die Führung von remote Teams, kulturelle Unternehmenstransformation und Digitalisierung sowie Produktivitätssteigerung.


katharina.thiel@growth-ninjas.com