Open Banking – Gewinner und Verlierer – das Resümee eines turbulenten Jahres

(c)istock: BraunS
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Bereits im Oktober haben wir ein erstes Fazit der PSD2-Richtlinie mit Fokus auf die Zwei-Faktor-Authentifizierung gezogen. In diesem Beitrag liegt nun das Hauptaugenmerk auf dem zweiten essentiellen Teil der Regularie: das Open Banking und die voraussichtlichen Gewinner dieser „Bewegung“.

Seit nunmehr drei Monaten müssen Banken im Rahmen der PSD2-Richtlinie Drittanbietern den Zugriff auf die Transaktionsdaten der eigenen Kunden gewähren, damit besagte Drittanbieter Finanzlösungen rund um die Bedürfnisse der Kunden entwickeln können.

In den Medien wird viel spekuliert, wer denn nun der wahre Nutznießer der gesetzlich vorgeschriebenen Schnittstellenöffnung sei. Einerseits werden die großen Technolgiekonzerne wie Google, Amazon und Facebook als Sieger der PSD2 betrachtet (Quelle: Interview mit ING Deutschland Manager in finanz-szene.de), andererseits werden Banken große Chancen im Kampf um den Kunden ausgerechnet, vorausgesetzt sie zeigen die richtige Reaktion. Doch wie schaut die Wirklichkeit aus? Wer liegt vorn und wer bleibt auf der Strecke?

Banken haben zwar eine Strategie, doch die konkrete Umsetzung ist noch offen

Die großen Banken besitzen bereits Konzepte und Ideen wie sie in der Open-Banking-Welt bestehen bzw. glänzen können, jedoch wurden bisher keine konkreten Use Cases umgesetzt. Es mag wohl daran liegen, dass Banken derzeit noch an anderen Fronten zu kämpfen haben. Herausforderungen wie der Niedrigzins, die IT-Infrastruktur oder die schlichte Einhaltung der PSD2-Regularie spielen eine wesentlichere Rolle. Das Einrichten der standardisierten API-Schnittstelle steht dabei an vorderster Stelle. Erst dann folgen etwaige Strategien, um im Datenwettbewerb gegen die Konkurrenz zu bestehen. Bankmanager haben bereits erkannt, dass die PSD2 keine Bedrohung, sondern eine Chance für die Kundenbindung ist. Häufig wird vergessen, dass auch die großen Finanzinstitute als Drittanbieter fungieren und ihren Kunden als Kontoaggregator oder Zahlungsauslöser dienen können, so wie es einige FinTechs bereits tun.

FinTechs werden nicht als ernstzunehmende Wettbewerber wahrgenommen

Finanzguru oder der schwedische Anbieter „tink“ haben sich bereits einen Namen gemacht und sind mit ihren PFM- und Zahlungsauslösefunktionen bereits bekannte Nutznießer der PSD2 Regularie.
Jedoch werden die „Finanzzwerge“ von den Banken langfristig nicht als unmittelbare Wettbewerber wahrgenommen, da ihnen schlichtweg die Kundenreichweite fehlt. Im Gegensatz zu den großen etablierten Banken, besitzen sie nicht den zentralen Zugang zu den Kunden. Viele überlegen sich zweimal, FinTechs die Einwilligung zur Auslese ihrer Daten zu geben. Banken genießen diesbezüglich „noch“ ein deutlich höheres Vertrauen ihrer Kunden.

Stattdessen werden die FinTechs von Banken vermehrt als Kooperationspartner gesehen. Im Gegensatz zu stark regulierten Banken fällt es ihnen deutlich leichter, innovative Use Cases rundum die Bedürfnisse der Kunden zu entwickeln und diese an den Markt zu bringen.

Bigtechs werden langfristig als ärgste Konkurrenten gesehen
Die Technologiekonzerne hingegen sind bei Banken deutlich gefürchteter als die kleinen FinTechs. Langfristig betrachten Banken die BigTechs als größte Wettbewerber, denn sie verfügen nicht nur über große Innovationsbudgets und technische Ressourcen, sondern im Gegensatz zu den FinTechs auch über eine enorme Kundenreichweite. Google und Apple sind bereits mit ihren Bezahllösungen GooglePay und ApplePay in den deutschen Zahlungsverkehr vorgedrungen. Weitere Lösungen werden folgen bzw. sind in den USA schon gestartet. Amazon vergibt unter dem Label „Amazon Lending“ bereits Kredite, Facebook macht Überweisungen via WhatsApp möglich und Google plant für das Jahr 2020 eigene Girokonten anzubieten.

Jedoch haben die BigTechs bisher noch keine Ambitionen, sich an den APIs anzudocken und Lösungen rundum die Transaktionsdaten des Kunden zu entwickeln. Der Wettkampf in der PSD2-Arena findet somit „noch“ ohne sie statt.

Google & Co. haben langfristig dennoch einen großen Vorteil: Im Gegensatz zu den Banken besitzen sie bereits eine etablierte Plattform und wertvolle Daten rundum das Nutzerverhalten ihrer Kunden.

Plattformanbieter versprechen Großes

Folglich verlagert sich der Wettbewerb immer mehr zu den Nicht-Banken, zu denen nicht nur Technologiekonzerne sondern auch Vergleichsportale wie Check24 zählen. Selbiges hat bereits eine Banklizenz beantragt und dessen Tochter C24 plant für das Jahr 2020 bereits eine eigene Open-Banking-Plattform, auf der Finanzdienstleistungen zum Beispiel mit Reisen oder Versicherungen verknüpft werden sollen. Von der Entwicklung einer eigenen Plattform bzw. eines Ökosystems ist bei Banken noch nichts bekannt, obwohl sie mit ihrem großen Kundenstamm dafür besonders gut geeignet wären.

Produktlieferant, Drittanbieter oder Ökosystem?

Um nicht zum reinen Produktlieferanten degradiert zu werden und den Bezug zu den Kunden endgültig zu verlieren, sollten Banken anfangen, ein aktiver Player in der „Open-Banking-Welt“ zu werden.

Bereits als Drittanbieter könnten Erfolge verzeichnet werden, beispielsweise indem Banken verfolgen können, welche Transaktionen ihre eigenen Kunden bei anderen Banken vornehmen. Basierend auf diesem Wissen können sie personalisiertere bzw. bessere Produkte und Services anbieten im Vergleich zur Konkurrenz. Banken sitzen bekanntlich bereits auf einem Datenschatz und könnten diesen strategisch um weitere Daten ergänzen.

Am besten funktioniert dies mit der Entwicklung einer eigenen Plattform bzw. eines eigenen Ökosystems, in dem den eigenen Kunden auch Produkte und Services von Partnern angeboten werden (weitere Informationen in unserem Vorgehensmodell). Langfristig werden die Gewinner die Unternehmen sein, die ihre Kunden mit ihren Angeboten rundum zufriedenstellen und damit die Customer Experience als oberste Priorität ansehen. Ob dies am Ende Banken, BigTechs, Vergleichsportale oder vielleicht sogar FinTechs sein werden, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Autor

Raik ist Experte für Open Banking und PSD2. Gemeinsam mit dem Team Digital Business entwickelt er digitale Lösungen rundum die neue Zahlungsdiensterichtlinie PSD2.

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