Interview mit Dr. Jochen Papenbrock, Firamis - TME AG - The Transformation Management Experts
TME Experteninterview

Interview mit Dr. Jochen Papenbrock, Firamis

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Fassen Sie kurz zusammen, welche Idee hinter Ihrem Geschäftsmodell steht. 


Trotz vieler alternativer Datasets sind Kurszeitreihen von Finanzinstrumenten immer noch eine bedeutsame Datenquelle im Portfoliomanagement. Die traditionelle Zeitreihenanalyse und die darauf aufbauenden Portfolio-Optimierungen sind allgegenwärtig und mittels Portalen, Cloud-Lösungen und APIs breit verfügbar. Die mathematischen Konzepte dahinter erfassen jedoch die Komplexität und Dynamik der Daten kaum bzw. treffen wenig Vorkehrungen, um die statistische Schätzungenauigkeit bei der Verarbeitung der Kursdaten, z. B. bei Korrelationsmatrizen einzudämmen. Die Resultate sind daher nicht so robust wie sie sein könnten. 

Neue Methoden aus den Bereichen quantitativer Modellierung, Advanced Analytics und Künstlicher Intelligenz können diesbezüglich Abhilfe schaffen und das Treffen robuster Entscheidungen ermöglichen. Zudem können selbsterklärende Algorithmen den Entscheidungsfindungsprozess der Maschine transparent und nachvollziehbar machen. Diese Ansätze aus der neuesten Forschung haben wir beim B2B-KI-FinTech “Firamis” in eine nutzerfreundliche, komplexitätreduzierte Software übersetzt. Diese wird den Firamis-Kunden über web-basierte Lösungen zugänglich gemacht. Aus diesem Grund heißt unsere Hauptproduktlinie auch „xaivest“, wobei „XAI“ für „Explainable AI“ steht.

Welche expliziten Vorteile / Mehrwerte bieten Sie Ihren Kunden? 


Die cutting-edge Algorithmen von Firamis wurden in über 10 Jahren Forschungstätigkeit und durch die Einbindung in Forschungsnetzwerke entwickelt. Firamis hat dieses Wissen in digitale Lösungen überführt, die es jedem, der mit Finanzportfolios zu tun hat, erlaubt, diese neuesten wissenschaftlich geprägten Technologien jederzeit bequem zu nutzen. Dadurch werden robuste und nachvollziehbare Investment-Resultate erzielt. Die Robustheit drückt sich durch höhere Renditen bei gleichzeitig geringerem Risiko aus. Dies gilt über Marktzyklen hinweg, so dass die Investmentziele der Kunden treffsicher erreicht werden. Durch die Visualisierung der Vorgänge bleiben den Nutzern die Datenstukturen und das maschinelle Kalkül nicht verborgen, vielmehr können sie im Dialog und in der Ideengenerierung kreativ genutzt werden. Die Software gibt sogar Antworten auf Fragen, die noch gar nicht gestellt wurden. Dadurch bleiben Anwender selbstbestimmt bei der Arbeit mit hochkomplexen Informationen. Zu unseren Kunden zählen bereits namhafte Assetmanager und Banken. Sie schätzen die Robustheit, Transparenz und (mitunter regulatorisch gebotene) Erklärbarkeit der Resultate. 

Wie wird sich der Bereich Digital Wealth Management in den kommenden 3 – 5 Jahren entwickeln?


Das Thema Interaktion von Mensch und intelligenter Maschine wird größeren Raum einnehmen. Durch das Zusammenkommen von überall verfügbaren Produktions-Faktoren wie KI, Cloud, APIs wurde ein Trend losgetreten, der weltweit Blüten trägt, auch im Digital Wealth Management. KI-, Daten- und Finanzexperten rücken enger zusammen und entfalten eine ungeahnte Kreativität, sowohl bei den bestehenden Playern als auch bei jungen FinTech-Unternehmen. Bedienung und Interkation der Systeme werden sich dramatisch verändern und vereinfachen. Chatbots und das virtuelle Eintauchen in die Investmentwelt als Virtual-Reality-Nutzererlebnis sind technisch längst möglich. Produkte wie die von Firamis werden somit immer individueller, selbstbestimmter, robuster und transparenter. 

Welche Bedeutung werden persönliche Beratung bzw. Filialen dabei zukünftig noch haben? 


Auf der einen Seite wird KI viele Dinge automatisieren, menschliche Tätigkeiten fallen also weg. Ich sehe jedoch eher die Chance, die gesamte Investment-Welt interessanter und erlebbarer zu machen. Dies bezieht sich natürlich auf die Kunden, die stark von diesem Trend profitieren werden, was die Resultate und das Nutzererlebnis angeht. Es betrifft aber auch die Anbieter und deren Mitarbeiter, die ihre Systeme intelligent und kreativ nutzen können.    

 

Was sind die größten Herausforderungen für WealthTechs allgemein und speziell für Firamis?


Vor einigen Jahren sah es für InvestTechs/WealthTechs noch nicht so gut aus, inbesondere für B2B-Startups, die auf der Suche nach Geschäftspartnern aus der Finanzindustrie waren. Das Modell der Zusammenarbeit war weniger etabliert, aber auch das unternehmerische Denken zum Thema Kooperationen , sowie die Startup-Infrastruktur waren weniger ausgeprägt als heute. Die Finanzindustrie musste erst einmal verstehen, was die neuen Technologien leisten können und die KI-Experten mussten besser verstehen, wie Banking und das Investmentgeschäft funktionieren. Aber inzwischen sind wir da auf gutem, ja sogar sehr gutem Wege. Die Zusammenarbeit zwischen innovativen B2B-FinTechs und der etablierten Finanzindustrie hat mittlerweile einen hohen Professionalisierungsgrad erreicht.

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