Factbook DWM 2017

FACTBOOK DWM - komplett überarbeitete Neuausgabe 2017

Innovative Geschäftsmodelle im Digital Wealth Management - NEUAUSGABE 2017

Der Markt im Bereich digitaler Lösungen für Financial Services entwickelt sich beständig weiter. Wie aus dem „Factbook 2015 – Innovative Geschäftsmodelle im Banking“ ersichtlich wird, konzentrierte sich der FinTech-Markt zunächst noch mehrheitlich auf Dienstleistungen im Bereich „Bezahlen“ und „Verwalten“. „Anlegen“ als weitere, zentrale Angebotskategorie hat zwischenzeitlich jedoch deutlich aufgeschlossen. Von den über 1.200 FinTech-Geschäftsmodellen, die das TME Institut beobachtet, haben inzwischen über 115 einen Fokus auf Anlageprodukte.

Neben Retail-Banking-Kunden, die keine bzw. nur wenig Beratung brauchen, werden durch diese Angebote inzwischen auch vermögendere Kunden und Kunden, die ein gewisses Mindestmaß an Beratung verlangen, angesprochen.

 

Fintech-Gliederung im Digital Wealth Management

6 Fintech-Kategorien

Research Tools

Immer mehr Anleger suchen im Internet nach Informationen, die dabei helfen, das eigene Geld besser zu verwalten. Die Bereitstellung von Kursinformationen und einfachen Analyseinstrumenten zur Kurs-, Performance- und technischen Analyse sowie Vergleiche mit verschiedenen Indizes und Volatilitätskennziffern gehören oftmals bereits zur Grundausstattung vieler Online-Anbieter.

Auch Marktkommentare, Ad-Hoc-Analysen und Webinare zu besonderen Finanzthemen werden immer häufiger online angeboten und bieten eine gute Möglichkeit, mit Kunden in den Dialog zu kommen und an das Unternehmen zu binden. Wir positionieren FinTechs, die diese Funktionen als Angebot haben, unter den Typus „Investment-Datenbank“.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Anbietern, die sich auf das Aktienresearch, die Aggregation von Analystenmeinungen sowie Stimmungs- und Sentimentanalysen spezialisiert haben und sich damit an bereits gut informierte Anleger wenden, die zusätzliche Impulse für ihre Tradingstrategien suchen. Dabei wird den Nutzern häufig auch die Möglichkeit gegeben, sich untereinander auszutauschen und Anlageempfehlungen zu diskutieren. Diese FinTechs sind mit dem Typus „Stimmungsanalysen“ gekennzeichnet.

Research Tools dienen dazu, Nutzern die Analyse von Branchen und Märkten zu erleichtern, Trends zu erkennen und so bessere Investmententscheidungen zu treffen. Besonders gute Research Tools zeichnen sich dabei durch die Qualität, Verfügbarkeit und verständliche Darstellung der angebotenen Finanzinformationen aus.

Online Borkerage

Online Brokerage gibt es in Deutschland seit Ende der 1990er Jahre und ist eng mit der Gründung der ersten Discount Broker in Deutschland verknüpft. Während früher die Orderwünsche der Kunden von Aktienhändlern noch per Telefon entgegengenommen wurden, können Kunden heute Wertpapiere auch online kaufen und verkaufen.

Um den Kunden die Umsetzung eigener Investmentideen zu ermöglichen und den hierfür notwendigen Wertpapierhandel abzuwickeln, wird eine attraktive Investmentplattform benötigt. Wichtige Kriterien hierfür sind der Zugang zu einem breiten Universum an handelbaren Titeln, eine ausreichende Einlagensicherung, inkludierte Research Tools, das Angebot von Sparplänen und insbesondere auch eine attraktive und transparente Preisgestaltung. Als weitere interessante Funktion gilt die Möglichkeit des Setzens von Unter- und Übergrenzen mit automatischer Umsetzung.

Andere FinTechs bieten hingegen die Möglichkeit des Algorithmus-Tradings, d. h. vollautomatisiertes Trading auf Basis vordefinierter Ereignisse. Sollte sich dieser Trend in Zukunft weiter ausbreiten, werden Kunden mit der Unterstützung durch Robos selbst zu Portfoliomanagern.

Social Community

Communities dienen dem Austausch von Gleichgesinnten über verschiedenste Themen, Ideen und Trends. In vordigitalen Zeiten fand ein solcher Austausch über Investmenttipps vorrangig unter Mitgliedern lokaler Investmentclubs oder anderer regionaler Einrichtungen statt. Mit der Revolution des Internets wurden auch Communities digitalisiert und aus regionalen Clubs wurden globale Plattformen, auf denen sich User über ihre Interessengebiete austauschen können.

Im Investment-Bereich haben sich zahlreiche Plattformen entwickelt, über die Nutzer Finanzthemen diskutieren, Aktienbewertungen teilen, Anlagestrategien empfehlen den Anlagestrategien anderer Nutzer folgen können. Generell kann man zwei Haupttypen von Investment-Communities unterscheiden.

Zum einen gibt es soziale Netzwerke, über die sich die Nutzer über verschiedenste Themen der Finanzindustrie austauschen und Erfahrungen teilen.

Zum anderen betrachten wir in der Analyse die Social-Trading-Plattformen, die es ermöglichen, Anlagestrategien anderer Nutzer zu adaptieren und auf das eigene Portfolio zu übertragen.

Die größte Herausforderung derartiger Communities stellt die Anonymität der Meinungsführer dar, die es den Nutzern erschwert, die Seriosität der Empfehlungen innerhalb der Community zu evaluieren. Daher lassen sich einige Faktoren für Investment-Communities im Internet ausmachen, durch die das Vertrauen in die Community gestärkt werden kann und die den Erfolg wesentlich beeinflussen.

Dies sind zum einen langjährige und aktive Mitglieder mit einer geprüften Identität und gutem Track Record, eine hohe Transparenz in Bezug auf die verwendeten Quellen und die Vergütungsmodelle der Meinungsführer sowie regelmäßige Einbindung von bekannten professionellen Analysten. Zum anderen sollten die Informationen benutzerfreundlich dargestellt werden, insbesondere durch die passende visuelle Zusammenführung von Anlageideen und Research-Meinungen. Auch Depotanalysetools zur Einbindung von Ideen in den Portfoliokontext sind dabei sinnvoll.

Robo Advisory

Die voranschreitende Digitalisierung lässt auch im Bereich der Vermögensanlage neue digitale Geschäftsmodelle entstehen, die klare Kostenvorteile für Kunde und Anbieter bieten. In diesem Zusammenhang wird oft der Begriff „Robo Advisory“ verwendet. Robo Advisory suggeriert automatisierte Beratung, allerdings gibt es hier verschiedene Ausbaustufen.

In der Analyse haben wir die Ausbaustufen der Robo Advisors in fünf Verfahren unterteilt:

  • Anleger- und Risikoprofil
  • Vermögensaufnahme
  • Vermögensanalyse
  • Vermögensverwaltung
  • Portfolioberatung

Anleger- und Risikoprofil

Wichtige Voraussetzung für die Beratung wie auch für die Vermögensverwaltung ist, die Kundenwünsche und -bedürfnisse mit der späteren Lösung zu adressieren. Dazu ist es notwendig, das Anleger- und Risikoprofil des Kunden zu erheben. Daraus lässt sich schließlich eine Strategie ableiten, die dann eine passende Rendite und Risikoerwartung der Anlage impliziert. Einige Anbieter setzen hier auf wenige Fragen, um die Strategie zu ermitteln und die WpHG-Anforderungen zu erfüllen. Andere Anbieter ermitteln die jeweiligen Sparziele. Diese Analyse bedarf eines wesentlich höheren Aufwandes, ist jedoch auch zielgerichteter und motivierender gestaltbar.

Vermögensaufnahme und Vermögensanalyse

Ein weiterer Funktionsumfang besteht in der Aufnahme des Kundenvermögens, entweder durch manuelle Eingabe oder Upload. Basierend darauf kann eine umfassende Analyse des Anlagevermögens bzgl. kritischer Investments auf Basis des Portfolios und der Einzelwerte durchgeführt werden.

Vermögensverwaltung

Verbreitet ist, weil auch in Banken und bei Asset Managern schon prozessual weitreichend implementiert, die „Robo-Online-Vermögensverwaltung“. Die FinTechs verwenden einen algorithmischen oder CIO-gesteuerten Investmentprozess, aus dem dann die Umsetzung über das Rebalancing in den Kundenportfolios bei der depotführenden Bank erfolgt.

Portfolioberatung

Die „Königsklasse“ unter den Robo Advisors sind Portfolio-Beratungsplattformen. Hier werden Kundenportfolios anhand vor­de­finierter Kriterien für Einzeltitel sowie im Portfoliokontext analysiert und Verkäufe und Käufe vorgeschlagen.

Crowdinvesing

Die ersten sogenannten „Crowdfunding-Plattformen“ wurden Anfang der Jahrtausendwende gegründet, um Künstlern – vorwiegend aus der Musikbranche – die Finanzierung ihres eigenen Albums oder anderer kreativer Projekte zu ermöglichen. Auf Online-Plattformen konnten sich dabei private Personen über die jeweiligen Vorhaben der Künstler informieren und anschließend mithilfe einer Spende zur Verwirklichung des Projekts beitragen. Mittlerweile können so nicht nur Künstler, sondern verschiedenste Projekte auf Plattformen, wie Indiegogo oder Kickstarter, interessierten Personen vorgestellt werden. Erhält das Projekt die gewünschte Summe zur Finanzierung, erhalten die Personen als Dank für ihre Unterstützung meist das Produkt gratis oder stark vergünstigt.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich als Unterform des Crowdfunding das sogenannte „Crowdinvesting“, welches sich von Crowdfunding dadurch unterscheidet, dass Privatpersonen nicht mehr spenden bzw. kaufen, sondern investieren.

Heutzutage können Privatinvestoren auf diese Weise auch in Immobilien oder Start-ups investieren.

Durch die Möglichkeit, „kleinere“ Geldbeträge in eine Vielzahl von verschiedenen Projekten anzulegen, verschafft Crowdinvesting Privatinvestoren Zugang zu alternativen Anlageformen und damit zu einem diversifizierteren Portfolio, auch wenn das damit verbundene Risiko oftmals wesentlich höher ist als bei anderen Anlageformen.

Auch wenn es sich hier noch immer um einen vergleichsweise kleinen Markt handelt, hat sich das Crowdinvesting-Volumen in Deutschland 2016 mit fast 65 Mio. € im Vergleich zu 2014 bereits mehr als verdreifacht.

In unserer Analyse haben wir zwischen Investments in Private Equity / Venture Capital und Immobilien unterschieden und die Segmente Film (in Deutschland ohne Finanzierungsvolumen in 2016) und Energie (mit rückläufigem Finanzierungsvolumen) hier ausgeklammert.

B2B-Lösungen

Auch wenn der Begriff Robo Advice oft als Synonym für die digitale Vermögensverwaltung verwandt wird, sind darunter auch Lösungsansätze zu subsumieren, bei denen mit Hilfe technologischer Mittel andere Aspekte der Vermögensberatung optimiert werden.

Gerade im B2B-Bereich haben sich eine Reihe von FinTechs dieser Thematik angenommen und Lösungen entwickelt, die über das einfache Whitelabeling bereits bestehender B2C-Angebote weit hinausgehen.

Diese FinTechs, oftmals auch WealthTechs genannt, sind Teil eines Ökosystems, das sich beständig weiterentwickelt und neben Komplexitäts- und Kostenaspekten das adressieren soll, was bei vielen Robo-Advisory-Angeboten oft noch fehlt: Angebotsvielfalt, Individualität, Künstliche Intelligenz in Verbindung mit persönlicher Beratung.

Bei der Kategorisierung dieser Anbieter haben wir drei Bereiche unterschieden, auch wenn diese nicht immer trennscharf sind und im Idealfall zu einer Einheit verschmelzen:

  • Client Realtionship Management (CRM),
  • Portfolio Management (PMS) sowie
  • Kommunikation- und Reporting (C&R)

Aber auch sogenannte RegTechs, d. h. FinTechs, die bei der Erfüllung regulatorischer Anforderungen unterstützen, sind inzwischen Teil diese Ökosystems und hier aufgeführt.

Weitere Anbieter in diesem Segment (in loser Reihenfolge und ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

InvestCloud, Temenos, VWD, AJ Bell, AQMetrics, niiio, Betterment, SigFig, IBM Watson, Salesforce, Personal Capital, BlackRock, Kensho, New Constructs, SQream, Trizic, Pershing, Future Advisor, SumZero, AlgoTrader, Algomi, Algo-Camp, FOLIOfn, ebase, Trizic, DSER, Vestorly, Sumzero, Speedlab, Wealtharc, Financial Guard, Wealthsimple, investify, ETFmatic, ayondo, VisualVest,  LikeFolio, vaamo.

Die Kategorien sind nach aufsteigender Komplexität der angebotenen Produkte und Dienstleistungen sortiert und werden innerhalb dieser Kategorien nach Typen oder Verfahren unterschieden. Eine ausführlichere Beschreibung der einzelnen Kategorien findet sich jeweils zu Beginn des entsprechenden Buchabschnitts. Neben der Hauptkategorie können die Unternehmen dabei weiteren Kategorien zugeordnet sein. Diese sind durch eine zusätzliche Markierung im Bereich Kategorie hervorgehoben. Die erste Ausgabe des vorliegenden „Factbook – Innovative Geschäftsmodelle im Digital Wealth Management“ wurde für die Neuauflage um diverse B2B-Modelle ergänzt, die zeigen, in welche Richtung sich der Markt, gerade auch beim Thema Beratung, aktuell entwickelt.

Die insgesamt mehr als 70 beschriebenen Modelle repräsentieren einen guten Querschnitt des Marktes. Auch wenn es in einem solchen dynamischen Umfeld nur möglich ist, eine Zeitpunktbetrachtung anzustellen, ist es weiterhin unser Bestreben, die Markttransparenz zu fördern und dem Leser die Möglichkeit zu geben, verschiedene Lösungsansätze miteinander zu vergleichen.

Unsere TME-FinTech-Datenbank werden wir auch zukünftig durch neue Anbieter im Bereich Digital Wealth Management ergänzen und bestehende Geschäftsmodelle kontinuierlich überprüfen. Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie weiterführende Informationen benötigen, Sie bestimmte Anbieter vermissen oder weitere Anregungen für unser Factbook haben. Dafür bedanken wir uns bei Ihnen schon jetzt ganz herzlich und freuen uns auf Ihr Feedback an: factbook(at)tme-institut.com

tme Fintech Experten

Factbook Autoren

Stephan Paxmann

Stephan Paxmann

Vorstand

Stefan Roßbach

Stefan Roßbach

Partner

Holger Boschke

Holger Boschke

Aufsichtsratsvositzender

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2017 | 112 Seiten
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