FinTech Euphorie weicht Realismus - TME AG - The Transformation Management Experts
TME Pressemitteilung

FinTech Euphorie weicht Realismus

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BAD SODEN AM TAUNUS. Im Digital Banking gaben bisher Startups aus der Finanztechnologie den
Ton an. Doch der Hype um die Newcomer lässt allmählich nach. Die Banken betrachten die Konkurrenz
mittlerweile realistischer und mit mehr Gelassenheit. Zu diesem Schluss kommt das TME
Institut für Vertrieb und Transformationsmanagement nach der diesjährigen Euro Finance Tech,
eines der größten Branchentreffen zwischen Fintechs und Finanzwelt in Deutschland. Auf dem
Event begegneten sich die führenden Vertreter auf Augenhöhe und diskutierten gemeinsam, wie
das Banking der Zukunft aussehen kann.

In zwei bis drei Jahren werden mehr als 50 Prozent aller Bankgeschäfte per Smartphone abgewickelt. Darüber
waren sich Fintechs, Finanzdienstleister, Politiker, Investoren und Regulatoren auf der Euro Finance
Tech einig. Diskutiert wurde dagegen, wie der digitale Wandel umzusetzen ist. „Eine der größten Herausforderungen
besteht darin, geeignetes Personal zu fi nden“, sagt Stephan Paxmann, 1. Vorstandsvorsitzende
vom TME Instituts. Gesucht sind erfahrene Digital Experts, die sich im Digital Business aus Kundensicht
genauso gut auskennen wie im Finanzgeschäft. „Davon gibt es nicht viele“, weiß Paxmann aus Erfahrung.
„Das könnte ein War of Talents zwischen Fintechs und Finanzwelt nach sich ziehen.“

Um trotz des Mangels an Fachleuten das eigene Geschäftsmodell zukunftsfähig zu machen, gehen Banken
verschiedene Wege. Einige Kreditinstitute setzen im Digital Banking zum Beispiel auf White Label, sprich
branchenfremde Lösungen, die unter der eigenen Marke angeboten werden. „Weitaus mehr Geldhäuser
wollen aber das Steuer selbst in die Hand nehmen“, sagt Stefan Roßbach vom TME Institut. Viele Finanzdienstleister
wollen etwa die Produktentwicklung wieder inhouse umsetzen, weil sie eine ganzheitliche
Digital Banking-Strategie verfolgen. „Dazu gehört auch, die Prozesse und Programmierung End-to-End zu
bestimmen und nicht der Konkurrenz zu überlassen“, so der Digital Banking-Experte.

Frenemies im Gespräch

Doch als Konkurrenz sahen sich Fintechs und Finanzdienstleister im Frankfurter Congress Center ohnehin
nicht an. Unter dem Titel „Frenemies“ (Friends & Enemies) diskutierten sie, wie sie künftig voneinander
profi tieren können. „Fintechs werfen ihr digitales Know-how in die Waagschale, Banken ihre regulatorische
Erfahrung und ihre breite Kundenbasis. Doch in der Praxis prallen Kulturen aufeinander“, sagt Roßbach.
Auf der einen Seite stehe die ‚Zero Tolerance-Kultur‘ der Finanzdienstleister, die nur digitale Lösungen an
den Kunden weitergeben wollen, die zu 100 Prozent durchdacht sind und den regulatorischen Aufl agen
entsprechen. Auf der anderen Seite befi nden sich die technisch versierten Startups, die hauptsächlich kundenorientiert
denken und auch mit Beta-Lösungen an den Markt gehen. „Beides hat seine Berechtigung“,
betont der Fachmann. „Aber für eine erfolgreiche Kooperation ist Aufklärungs- und Vermittlungsarbeit
gefragt.“

Kooperationen mit Mehrwert

Auf der Euro Finance Tech wurde deutlich, dass die Banken unter Hochdruck an der digitalen Transformation
arbeiten. Viele sind aber nicht länger bereit, jeden Preis für Fintech-Lösungen zahlen. „Mittlerweile
investieren die Geldhäuser gezielter in digitale Geschäftsmodelle, die auch langfristig ins Portfolio passen
und sich rechnen“, sagt Pamann. „Sie schauen vermehrt darauf, welche Modelle und Kooperationen einen
echten Mehrwert für ihr Unternehmen und ihre Kunden stiften. Hype-Bewertungen der letzten Jahre werden
schrittweise normalisiert.“ Sichtbar wird diese Trendwende zum Beispiel am Börsengang von Square.
In den letzten 12 Monaten ist die Bewertung des Mobile Payment-Anbieters um rund ein Drittel von 6 auf 4
Mrd. US-Dollar reduziert worden, obwohl Square nach wie vor ein gutgehendes Business vorweist.

GetGems gewinnt Euro Fintech Tech Award

Die erfolgreichsten Fintechs haben sich in Frankfurt um den Euro Finance Tech Award beworben. Der
erstmals verliehene Preis ging an Unternehmen, die das größte Innovationspotenzial mitbringen. Nach
Meinung der fachkundigen Jury, die u.a. mit dem Fintech-Spezialist Pascal Bouvier, Thomas-Frank Dapp
(Deutsche Bank Research) und Prof. Hans-Gert Penzel (ibi research, Universität Regensburg) besetzt war,
überzeugten vor allem die Geschäftsmodelle von WeltSparen, Kredittech, Ayondo und Gini. Platz 1 heimste
jedoch GetGems ein. Das israelische Startup hat eine App entwickelt, mit der sich Freunde auch in sozialen
Netzwerken untereinander Geld schicken können. „Das hebt das P2P-Payment auf eine neue Stufe
und zeigt, dass wir im Digital Banking noch mit einigen Überraschungen zu rechnen haben“, sagt Roßbach.
In den Vorträgen auf der Euro Finance Tech wurden vor allem die Blockchain-Technologie und Lending als
die neuen Game Changer in der Finanzdienstleistungsindustrie gehandelt.