Robo Advisory - Wie digitale Plattformen neue Zielgruppen erschließen - TME AG - The Transformation Management Experts
TME Pressemitteilung

Robo Advisory – Wie digitale Plattformen neue Zielgruppen erschließen

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Wie digitale Plattformen neue Zielgruppen erschließen

BAD SODEN AM TAUNUS. Die weltweite Digitalisierung lässt in der Finanzbranche neue Dienstleistungen
entstehen. Im Retail-Banking haben sich Fintechs bereits mit innovativen Financial Services
etabliert. Nun machen sie den Geldhäusern auch im Wealth Management Konkurrenz. Mittels Robo
Advisory – automatisiertem Portfoliomanagement auf digitalen Plattformen – erschließen sie in der
Vermögensverwaltung neue Zielgruppen. Müssen sich deutsche Banken Sorgen machen?

„Ja und nein“, sagt Stephan Paxmann, Vorstandsvorsitzender des TME Instituts für Vertrieb und Transformationsmanagement.
„Robo Advisors wie easyfolio, Vaamo oder justETF sind in Deutschland zweifelsohne
auf Wachstumskurs. Allein easyfolio hat seit seinem Markteinstieg 2014 rund 6,5 Millionen Euro an Kundengeldern
eingesammelt“, so Paxmann. Vaamo will bis Ende 2015 sogar bis zu 35 Millionen Euro verwalten.
„Dieses Marktpotenzial sollten Banken nicht von der Hand weisen “, betont der Finanzexperte. Zumal
die Konkurrenz in einem angestammten Kerngeschäft der Geldhäuser nach Kunden fi scht: der Geldanlage.
Bei privaten Anlegern sei das automatisierte Portfoliomanagement vor allem wegen seiner Transparenz
und Einfachheit so beliebt: Anhand eines Fragenkatalogs wird die Riskoneigung des Anlegers ermittelt und
auf dieser Basis ein mit Indexfonds bestücktes Portfolio erstellt. Die Indexfonds bilden die Kursentwicklung
von Indizes wie DAX oder Dow Jones ab und setzen sich je nach Wagniswillen und Sicherheitsbestreben
mehr aus Aktien oder Anleihen zusammen. Die Steuerung des Portfolios übernehmen ausgeklügelte Algorithmen.
Emotionale Panikkäufe oder -verkäufe sind dadurch ausgeschlossen. Die Performance des Portfolios
kann der Nutzer jederzeit am PC oder Smartphone nachverfolgen.

Nachhaltigkeit statt Aktionismus

„Ein bestechend einfaches Geschäftsmodell, das vor allem digital affi ne Kunden anspricht, die Vorwissen
mitbringen und auch mit wenig Kapitaleinsatz die Vorteile eines diversifi zierten Anlageportfolios nutzen
wollen“, sagt Stefan Roßbach vom TME Institut. Banken rät er dazu, die Mitbewerber im Auge zu behalten
und mittelfristig eine nachhaltige Digitalisierungsstrategie auf die Beine zu stellen. Ob ein eigenes Robo
Advisory-Angebot Sinn macht, müsse im Einzelfall geklärt werden. Denn fest steht für den Mobile Banking-Experten
auch: Die klassische Vermögensverwaltung wird von den Robo Advisors nicht neu erfunden.
„Auch die Entscheidungen von Bankberatern und Vermögensverwalter fußen heutzutage auf Algorithmen“,
sagt Roßbach. Sie sind damit kein Alleinstellungsmerkmal der Robo Advisors. Noch dazu üben die Plattformen
im rechtlichen Sinn keine Anlageberatung aus, sie agieren lediglich als Vermittler und berufen sich
in ihren AGBs auf das „Execution only-Prinzip“. Demnach setzen die Unternehmen nur den Kaufauftrag des
Kunden um. Eine fundierte Beratung gibt es in der Regel nicht. „Das könnte vor allem in Krisenzeiten ein
Problem darstellen“, gibt Roßbach zu bedenken. Bislang sei die Performance der Algo-Portfolios, die 2011
durch den Branchenprimus Wealthfront erste Erfolge feierten, durch stetig steigende Börsenkurse unterstützt
worden. Ein Kurseinbruch könnte viele Kunden dazu verleiten, ihr Geld vorschnell aus den digitalen
Plattformen abzuziehen, so dass Rendite verloren geht.


„Ein integriertes Angebot können Robo Advisors ebenfalls nicht leisten“, ergänzt Paxmann. Die Unternehmen
verwalten lediglich das Budget, das bei ihnen angelegt wird. Das Potenzial einer ganzheitlichen Allokation
ihrer Vermögenswerte schöpfen Nutzer damit nicht aus. Der einzige nennenswerte Vorteil bestehe
für sie in der Kostenersparnis: Je nach Robo-Anbieter sind pro Jahr zwischen einem Viertel und 1 Prozent
des verwalteten Vermögens an Gebühren zu zahlen. Das ist ein Bruchteil dessen, was für aktiv gemanagte
Fonds anfällt.


Erfolgsmodell „Robo + Advisor“

Robo Advisors können den klassischen Bankberater aktuell nicht substituieren, lautet das Fazit des TME
Instituts. Doch Banken sollten die Startups aus der Finanztechnologie nicht unterschätzen, denn die digitale
Geldanlage birgt Potenzial. Wie viel zeigt ein Blick auf den amerikanischen Markt: Mit seiner onlinebasierten
Vermögensanlage sammelte der Marktführer Betterment bereits im ersten Marktjahr (2010) zehn
Millionen Dollar ein. Mittlerweile liegt das Anlagevolumen bei 2,8 Milliarden, die Kundenzahl ist auf 115.000
gestiegen. Wealthfront entwickelt sich als direkter Wettbewerber ebenso erfolgreich. „Der Schlüssel zum
Erfolg liegt im Mehrwert“, sagt Paxmann. In den USA ist Robo Advisory eingebettet in ein breites Dienstleistungsspektrum.
Angeboten werden zum Beispiel die automatische Reinvestierung von Dividenden,
spezielle Steueroptimierungsverfahren oder auch die Einbindung eines Bankberaters. Statt Robo Advisory
wird „Robo + Advisor“ praktiziert. „Ein Modell, das auch dem Algobanking in Deutschland zum Durchbruch
verhelfen könnte“, so Paxmann. „Gerade in Zeiten starker Preisschwankungen an den Kapitalmärkten kann
der Rat eines erfahrenden Fondsmanagers für private Anleger der entscheidende Zusatznutzen sein.“